Pio Sommerlager 2015

Pio So-La stand fett in der Agenda und mit noch fetteren Rucksäcken machten wir uns auf den Weg in eben dieses Pio So-La! Viele Stunden und eben so viele Pässe später brachte uns ein kleines Postautöli in das wohl hinter und letzte Tal, bis zur hinterletzten Haltestelle und von dort marschierten wir noch den letzten Wanderweg an den wohl entferntesten und schönsten Lagerplatz der Schweiz.

Eiskalte, weiss schäumende und blau schimmernde Bäche durchzogen und umgaben unser neues Zuhause. Von einem Ende des Platzes zum nächsten konnte man gut und gerne 7 Minuten Wandern und immer und immer noch befand man sich auf unserem Platz. Um den beinahe unendlich scheinenden Platz auch gut auszunutzen verteilten wir unsere Zelte auf dem ganzen Gelände, sehr zum Leidwesen des Leiters, welcher zum morgendlichen Wecken erst einmal einen halben Tag wandern musste. Über mehrere Lichtungen verteilt und von mehreren Bächlein und einem Fluss durchzogen war der Platz und so hatten wir mehr als genug Platz.

Wir befanden uns auf 2000 Meter über Meer, im Val da Camp, hinter dem Berninapass, oberhalb von Poschiavo und nur einige Kilometer von der Italienischen Grenze entfernt. Dem südlichen Klima sei Dank, waren wir trotz der hohen Höhe noch von Wald umgeben und eben diesem Wald wollte die Saoseo Fun Resort Holding GmbH an den Kragen. Diese Baufirma wollte in dem abgelegenen Tal eine blühende Hotellandschaft errichten.

Riesige Hotels, breite Strassen und tolle Bergbahnen sollten Leben ins Tal bringen! Also menschliches Leben. Tiere hatte es schon recht viele. Neben Kuh und Kalb auf der Wiese und tausenden Fliegen, welche sich am braunen Resultat von Kuh, Gras und Magen labten, flatterten auch noch hunderte Schmetterlinge durch das Gebiet. Doch dies war selbstredend keine zahlungskräftige Kundschaft und so wollten die vier Herren der Saoseo Fun Resort Holding GmbH die Natur zugunsten der besagten Hotellandschaft opfern.

Die Pios hatten keinerlei umweltbedingte Skrupel oder gar ein schlechtes Gewissen und halfen beim Bau, in Form eines überdimensionalen Monopolies kräftig mit. Während der ganzen Woche konnte in kleinen Teams eine eigene Hotellandschaft erstellt werden. Kamen andere Gruppen auf ein Hotel, hatten sie, je nach Anzahl der Sterne, eine happige Übernachtungspauschale zu berappen. Geld indess konnte erspielt aber auch erämtelt werden, wie zum Beispiel mit dem Abwasch.
Viele Highlights prägten das Lager. So wagten wir uns einmal in einem, von einem wirklichen Kletterprofi (!), gebauten Seilbähnli eine Felswand hinab, ein ander Mal liessen wir es uns in einer Blachensaune mitten auf einem Inseli im Fluss gut gehen oder bauten am Abend mystische Feuerschiffe und wieder ein ander Mal bestaunten wir tiefe Gletschermühlen und besichtigten das wunderschöne Poschiavo. Doch das wahre Juwel des Lagers war der Glas- wirklich GLASklare Bergsee, Lago di Saoseo.
Etwa zehn Minuten von unserem Lagerplatz entfernt lag dieser wohl schönste aller schweizer Bergseen und wartete mit seinen eisigen Fluten auf den unerschrockenen Besucher. Unter Wanderern ist der See schon längst ein Geheimtipp, so dass diese dort gerne einmal einige Stunden Pause machten. Wir jedoch waren quasi Nachbarn des Sees und so konnten wir diesen nicht einfach mal kurz Besuchen, sondern in all seinen Fassetten geniessen.

Das erste mal stämmten wir schwere und grosse Baumstämme hoch zum See um daraus zwei geniale Flosse zu bauen, mit welchen wir den See erkunden konnten. Die unerschrockenen wagten sogar einen Sprung ins Wasser und waren für den Rest des Tages abgekühlt. Auf verschiedene Tage verteilt verbrachten wir viele Stunden beim See. An einem Nachmittag erkundigten wir die kleine Insel und wagten einige spektakuläre Sprünge ins blaue Nass.

Ein ander Mal assen wir beim See unseren Znacht und konnten beobachten wie das einzigartige Blau langsam immer dunkler wurde und der See schliesslich schwarz vor uns lag. Ja, noch viel gäbe es von dem Lager zu erzählen. Aus den ambitionierten Bauprojekten der oben erwähnten Firma wurde zum Glück nichts. Denn die Saoseo Fun Resort Holding GmbH stellte sich als äusserst Suspekt heraus. Wollten sie uns nach getaner Arbeit doch tatsächlich durch ein unheimliches und geisterhaftes Heidi aus dem Tal vertreiben, um sämtlichen Gewinn selbst einzustreichen. Das Spiel durchschauten wir und so zogen wir, ohne Hotelimperium, dafür mit gebräunter Haut und Lungen voller frischer Bergluft nach Hause zurück.                     [Orion]

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